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Sag „Nein“ zu Drogen - Ein Interview mit Tobias Ulm 22.10.11

„Drogen sind die dunklen Begleiter unserer Konsumgesellschaft. Ich kann ein Lied davon singen“, so beschreibt Tobias Ulm sein Programm und genau das macht er auch – wortwörtlich. Er singt und spielt Gitarre und betreibt gleichzeitig Drogenprävention. Nachdem er in den Drogensumpf abgerutscht war und auch einige Zeit im Gefängnis saß, reist er jetzt mit seinem Programm durch Deutschland und macht auch auf dem BuKiJu+DM Halt. Wir haben ihn zu einem Interview eingeladen.

Ich habe gelesen, dass du selbst schon mit Drogen zu tun hattest. Wie kam es dazu?

Ganz einfach, in der 9. Klasse kam eine Schulkameradin zu mir und hat gefragt: „Hey, wie schaut's aus, willste ma Zeug probieren? Mein Freund verkauft's.“ So bin ich da rein geraten und hab erst einmal im Schnitt alle 2-3 Wochen gekifft. Dann ist der Zeitraum immer kürzer geworden bis ich jeden Tag gekifft hab.

 

Wie hast du es geschafft, mit dem Drogenkonsum aufzuhören und gab es da etwas oder jemanden, der dich unterstützt hat?

Ich habe das erst im Knast geschafft. Dabei hat der evangelische Pfarrer Anton eine wichtige Rolle gespielt, denn er hat dort eine Knast-Band geleitet. Da bin ich zur Musik gekommen. Die Musik hat mich dabei unterstützt, von den Drogen wegzukommen. Ich hab in meiner Musik vieles verarbeitet, aber der eigentliche und entscheidende Punkt war dann im Freigang. Ich war auf Urlaub draußen und war bei einer Freundin zu Besuch. Dort hat sich jemand neben mir einen Joint gedreht hat. Da ging es in mir nur noch rund. Ich war grade erst drei Monate weg von den Drogen. Ich hatte schwitzige Hände, mir ist das Wasser im Mund zusammen gelaufen und ich hatte so eine Art Schizophrenie im Kopf, die mir immer gesagt hat: „Frag Sie, ob du ziehen darfst. Frag Sie, ob die ziehen darfst!“. In dem Moment habe ich mit mir selbst gekämpft und hab mir gesagt: „Ey, was machst du nur für `ne Scheiße. Nein, ich will das nicht mehr.“ Das war der letzte, entscheidende Punkt, an dem ich davon weggekommen bin.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, in der Drogenprävention aktiv zu werden und das Ganze mit deiner Musik zu verbinden?

Ich bin in dreizehn Vereinseinrichtungen und auch unsere Schule eingebrochen, um Geld raus zu holen. Beschaffungskriminalität nennt man das. Dort habe ich dann nach dem Knast eine Entschuldigungstour gemacht. Ich habe mich bei jedem für die Einbrüche entschuldigt, unter anderem auch bei der Schule. Die Schule hat mir dann die Möglichkeit gegeben, im Jugendforum vorzusprechen, um den Jugendlichen zu erklären, wie sich das auf mein Leben ausgewirkt hat. Da bekam ich positives Feedback. Also habe ich mich mit meinem Vater zusammen gesetzt. Der hatte damals schon Musiker gemanagt und meinte, er könnte das auch für mich tun. Wir haben uns zuerst einmal das Motto „Nein zu Drogen“ überlegt und das mit meiner Musik verbunden.

 

Welchen Tipp hast du für Jugendliche, die Drogen angeboten bekommen?

Auf jeden Fall sofort „Nein!“ sagen und gar nicht erst ausprobieren. Ich hab auch nur ausprobiert und dann angefangen, regelmäßig zu Kiffen und schließlich auch angefangen, andere Drogen zu nehmen. Wer ein gutes Hobby hat gerät auch gar nicht erst in solche Kreise und hat ein geringeres Risiko drogenabhängig zu werden, als jemand der den ganzen Tag nichts zu tun hat. Wer sich tagsüber nur langweilt, für den ist es leicht zu sagen: „Oh, ja, ich nehm mal Drogen, damit es mir besser geht“.

 

Tobias Ulm präsentiert heute von 15:30 Uhr bis 17:00 Uhr sein Programm in der Aula der Oberschule an der Ronzelenstraße.

 Das Interview führte Max Duckwitz

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zuletzt geändert am 07.05.2011 um 09:12 Uhr
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